Dramaturgies in the Afterlife of Violence
Event

Guest Lecture by Grit Koeppen: "Entgegen scheinbarer Befriedung: Dekoloniale Ästhetiken im Sprechtheater"

15. Januar 2026, 18:00–20:00
Ruhr-University, Uni Campus, GB 03/142

Dekoloniale Ästhetiken sind keineswegs auf Begriffe und Praktiken wie „de-linking“ (Walter Mignolo) oder „un-learning“ (Gayatri Spivak) allein zu reduzieren, auch wenn diese in der späten Rezeptionsgeschichte des Dekolonialen Prominenz im Diskurs gewonnen haben. Allein in Bezug auf aktuelle Theatertexte von afrikanischen und afro-diasporischen Autor*innen lässt sich ein breites Spektrum dekolonialer Ästhetiken identifizieren. Ausgehend vom empirischen Material – den Stücken selbst – argumentiert Grit Koeppen , dass sich das Spektrum dekolonialer Ästhetiken mindestens zwischen zwei Polen aufspannt, einer Ästhetik des Aufruhrs und einer Ästhetik der Transgression.

„Wir sind im Krieg. Lasst uns im Krieg bleiben“, sagt eine der Figuren im Modus des Aufruhrs in Dieudonné Niangounas Stück „Nennt mich Muhammad Ali“. Das lässt sich gleichermaßen als drastische Provokation und als Resonanz auf die globale postkolonial-kapitalistische Situation lesen. Im zeitgenössischen Sprechtheater afrikanischer und afro-diasporischer Autor*innen wird die koloniale Situation mit einem Aufschrei erinnert und die postkoloniale Situation als Folge der Gewaltverhältnisse scharf kritisiert. Mittels Theater nehmen Künstler*innen hier eine widerständige Erhebung gegen rassistische, klassistische und sexistische ökonomische, körperpolitische und sprachliche Zurichtungen vor. Zugleich ist in den Stücktexten eine Ästhetik der Transgression gestaltet, bei der dekoloniale Visionen von Welt möglich werden.

Wie wird die aktuelle postkoloniale Realität im Theater reflektiert? Was wird aus Perspektive subalterner Figuren in den Stücktexten artikuliert und gespiegelt? Was entäußert sich im kritischen Blick auf den Westen? Wie gestalten Bühnenautor*innen eine Ästhetik des Aufruhrs und eine Ästhetik der Transgression? Lassen sich dem gegenüber aus den Stücktexten, ihren Dramaturgien, konzipierten Figurenrelationen und -reflexionen auch künstlerische und gesellschaftliche Utopien ableiten?

 

Grit Köppen ist seit 2024 Gastprofessorin an der Fakultät Darstellende Kunst der Universität der Künste Berlin. Sie lehrt seit 2017 im Bereich Szenisches Schreiben an der UdK. Dieses Jahr erschien ihr Buch „Dekoloniale Äshetiken im zeitgenössischen Theater“  bei Theater der Zeit. www.gritkoeppen.de

 

 

https://www.theaterwissenschaft.ruhr-uni-bochum.de/tw/forschung/veranstaltungen/TheaterForschungRuhr.html.de